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Frequency 2011 - Tag 1
Frequency 2011 - Foo Fighters, Seed, The Chemical Brothers, Kasabian, Rise Against, The Kooks, Deichkind, Beady Eye, The Ting Tings, Interpol, The National, Jimmy Eat World, Hurts, Apocalyptica, Good Charlotte, Dropkick Murphys, Kaiser Chiefs... am 18.08.2011, Green Park
Das Wichtigste an einem Festival ist das Line-Up. Beim Frequency 2011 war schon früh klar, dass man sich bei Headlinern wie den Foo Fighters, Seeed und Deichkind darüber nicht beschweren kann. Das Zweit-Wichtigste ist das Wetter, und das konnte man bei so einem durchwachsenen Sommer wie in diesem Jahr allerdings nur schwer erahnen. Gummistiefel oder Flip-Flops? Dicke Weste oder Bikini? Um nicht sprichwörtlich im Regen zu stehen packte ich natürlich alles ein, und obwohl das Gepäck dann entsprechend schwer war, freute ich mich über die Wetterentwicklung: es war heiß! (Wie heiß, das war mir am Anfang noch nicht bewusst, aber alles besser als Regen!)
Beim Pressecontainer war einiges los, und es hat auch ein wenig gedauert, bis wir die notwenigen Festival-Bändchen am Handgelenk hatten. Aber als das erledigt war, führte der nächste Weg zu den Zelten.
Camping gehört (für mich) zum Festival-Spaß dazu, allerdings hatte ich mir heuer mit dem Erwerb eines Comfort-Tickets ein wenig Luxus erkauft: in einem abgesperrten Bereich unweit der Bühnen wartet bei Ankunft ein fertig aufgebautes Zelt. Alle Zelte stehen in Reih und Glied, die einzelnen Zeltreihen haben Namen, und die Zelte sind nummeriert. Ich habe die drei Tage also gemütlich in diesem Zelthotel in der Deichkind-Strasse 7 verbracht. Hört sich vielleicht spießig an, aber ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.
Insgesamt hat alles ein wenig länger gedauert als geplant, weshalb ich schlussendlich erst kurz nach 16 Uhr bei der Race Stage ankam. Der erste Act, den ich mir ansah, war der Bombay Bicycle Club. Der Bereich vor der Bühne war gut gefüllt, was sicher auch daran lag, dass die Bühne dort einen angenehmen Schatten warf. Der Sound der britischen Indie-Rocker ist ein bisschen rockig, ein bisschen elektronisch, und geht gut ins Ohr. Außerdem sah man den vier jungen Burschen richtig an, dass es ihnen Spaß machte, auf dieser großen Bühne zu spielen. Bei Songs wie "Shuffle, "Rinse me down" und "Always Ilke this" sang und tanzte die Menge mit, obwohl es wirklich, wirklich heiß war.
Die Sets am Nachmittag liefen immer so um die 45 Minuten, daher verging die Zeit recht schnell, und es stand schon der nächste Act auf der Bühne: Clueso und Band. Ich bin immer noch geneigt, das UE in seinem Namen auch als solches auszusprechen, obwohl ich mittlerweile weiß, dass man "Clüso" sagt -- der Name ist an Inspektor Clouseau aus dem Rosaroten Panther angelehnt. Obwohl der deutsche Sänger keinen Platz in meiner privaten Playlist hat, kenne ich doch viele seiner Songs aus dem Radio. Und die Kombination aus solide vorgetragener Live-Musik und dem begeisterten, überwiegend jungem Publikum in den ersten Reihen ließ auch mich bei Liedern wie "Chicago", "Keinen Zentimeter" und "Du bleibst" im Takt mitwippen.
Drüben auf der Green Stage spielte unterdessen Kele, vielen bestimmt bekannt als Sänger der Band Bloc Party. Viel hatte ich von seinem Auftritt leider nicht mehr gesehen, aber zumindest "Flux", einen der größeren Bloc Party Hits. Selbst aus den hinteren Reihen konnte man erkennen, dass auch bei der Green Stage richtig gute Stimmung herrschte.
Wieder bei der Race Stage angekommen, spielte The National -- und ich schiebe es jetzt mal auf das wirklich heiße Wetter, aber ich war nicht so richtig mitgerissen. Zum einfachen Zuhören während man im Schatten saß und einen kühlen Radler trank, waren die Songs der Indie-Rocker aus Ohio aber durchaus geeignet.
Interpol hingegen motivierten mich dann wieder zum Aufstehen, und es passte einfach alles zusammen: die Sonne verschwand langsam hinter der Bühne, die Temperaturen wurden erträglicher, und Paul Banks und seine Bandkollegen aus New York City rockten die Bühne mit "Evil", "C'mere" und "The Heinrich Maneuver", sowie ihrem neuesten Hit "Barricade".
Als letzter Auftritt vor den Headlinern stand noch ein britisches Battle an: auf der Race Stage spielten Beady Eye, während ein paar Minuten später auf der Green Stage die Kaiser Chiefs loslegten. Mir war schon klar, dass für mich die Kaiser Chiefs gewinnen würden, aber die ersten Songs von "Oasis ohne Noel Gallagher" (so wurde Beady Eye gemeinhin bezeichnet) wollte ich mir ansehen. Oder eher anhören, denn zu sehen gab es nicht viel -- Liam Gallagher stand in seinem Trenchcoat mit am Rücken verschränkten Armen vorm Mikrofonständer, sang ein paar Zeilen, ging zwei Schritte zurück, dann wieder nach vorne zum Mikro und sang ein paar weitere Zeilen. Bühnenaction: negativ.
Also nichts wie rüber zur Green Stage, und ich wurde nicht enttäuscht. Müsste ich Sänger Ricky Wilson kurz und knapp beschrieben, dann würde ich sagen: Wirbelwind mit Tamburin. In seinen engen, weißen Jeans rannte er über die Bühne, von einem Ende zum anderen, und man war froh, dass sein Mikrofon an so einem langen Kabel hing und er trotzdem nicht drübestolperte. Die Kaiser Chiefs haben schon ein paar richtige Gassenhauer im Programm, und alle wurden sie gesungen: "Everyday I love you less and less", "Never miss a Beat", "Modern Way" und "I predict a Riot", um nur einige zu nennen. Auch Lieder des neuen Albums "The Future is Medieval" waren dabei, unter anderem "Little Shocks" und "Man on Mars", bei dem Schlagzeuger Nick Hodgson den Gesang übernahm. Bei "Ruby" ging Wilson bis vorne an die Absperrung und lehnte sich in die Menge, und etwas später kletterte er links auf den Bühnenaufbau und sang von dort weiter. So stelle ich mir ein Rock-Konzert vor. Die Kaiser Chiefs waren mein Highlight des ersten Festival-Tags.
Das Publikum ging gut mit, aber es war nicht so voll wie ich mir gedacht oder es sich die Kaiser Chiefs verdient hätten -- was möglicherweise auch daran lag, dass viele Festivalbesucher gar nicht mehr zur Green Stage rübergekommen waren, um ihren guten Platz für den Race Stage Headliner nicht zu verlieren: Seeed.
Besonders beeilen hätte ich mich aber nicht müssen, um wieder rüber zur Race Stage zu kommen, denn Seeed ließen sich Zeit, und traten erst nach einer halben Stunde Verspätung auf die Bühne. Lag vielleicht am monströsen Bühnenaufbau, der notwendig war, um alle elf Musiker darauf unterzubringen. Aber was ist schon eine halbe Stunde im Vergleich zu vier Jahren? So lange war es nämlich her, seit Seeed ihren letzten Live-Auftritt absolviert hatten. Dementsprechend hungrig waren die Fans darauf, die Berliner zu sehen. Alte Songs wie "Dickes B" und "Ding", Neues ("Wonderful Life", ein Cover des 1987er Hits von Black) sowie einige Peter Fox Solo-Songs ("Alles Neu") wurden gleichermaßen souverän gesungen und performt. Das Lied "Schüttel dein Speck" widmete Peter Fox "allen Frauen aus Österreich. Vor allem denen, die über 80 Kilo wiegen -- das sind die Besten". Und sogar ein Gastauftritt war dabei, nämlich vom deutschen Rapper Marteria, mit dem sie gemeinsam "Sekundenschlaf" sangen. Nach 75 Minuten verließen Seeed schon die Bühne, gaben aber - zum Glück - noch eine viertelstündige Zugabe mit "Wir sind Seed", "Schwarz zu Blau" und "Aufstehn!". Ein gelungenes Spektakel und ein würdiger Abschluss für den ersten Festival-Tag.
19.09.2011 von Babsi

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